Trauer um Mario Adorf: Der große Schauspieler war elf Jahre lang Schirmherr des „Literarischen Frühlings“

Ellershausen. Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben die Veranstalter des „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ auf die Nachricht vom Tod des legendären Schauspielers Mario Adorf reagiert, der elf Jahre lang der Schirmherr des nordhessischen Festivals war. „Wir verlieren einen Förderer und einen Freund, der uns für immer unvergesslich bleiben wird“, erklärte die Journalistin und Autorin Christiane Kohl als Leiterin des Festivals. „Mario Adorf hat nicht nur mit seinen Auftritten unser Programm enorm bereichert, sondern er hat uns und alle Gäste auch am Rande der Veranstaltungen immer wieder mit seiner Menschenfreundlichkeit, seinem Charme und seiner verschmitzten Offenheit bezaubert. Es hat ihm hier bei uns im Waldeck-Frankenberger Land gut gefallen, und er ist immer wieder gerne mit seiner Frau Monique hierhergekommen.“ Der letzte große Auftritt des Film- und Fernsehstars beim Festival war vor drei Jahren im Philipp-Soldan-Forum in Frankenberg die Übergabe der Schirmherrschaft des „Literarischen Frühlings“ an seine Schauspielkollegin Iris Berben. Beide Künstler sprachen dort in zwangloser Atmosphäre mit dem Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt über die Verfilmung literarischer Werke und über die Rollen, die sie beide in solchen Projekten gespielt hatten. Zuvor schon hatte Adorf fast jedes Jahr an dem Festival teilgenommen und dabei eigene Bücher oder Filme vorgestellt. Die Schirmherrschaft hatte er bei der Gründung des „Literarischen Frühlings“ 1992 gemeinsam mit dem bekannten Schriftsteller Friedrich Christian Delius übernommen und bis 2023 ausgeübt. Delius war in Korbach aufgewachsen und ist am 30. Mai 2022 in Berlin im Alter von 79 Jahren gestorben. Inzwischen liegt die Schirmherrschaft in der Hand von Iris Berben und Stephan Thome.


Mario Adorf wurde 95 Jahre alt und lebte zuletzt in Paris und St. Tropez. Mit seiner Frau Monique, einer Französin, die er einst als Freundin von Brigitte Bardot kennen gelernt hatte, hatte der Schauspieler zuvor viele Jahre in Rom verbracht. Dort waren in den 1990er Jahren Christiane Kohl und ihr Mann Klaus Brill, die damals beide als Korrespondenten des „Spiegel“ beziehungsweise der Süddeutschen Zeitung in der italienischen Hauptstadt tätig waren, über eine gemeinsame Freundin mit Mario Adorf und seiner Frau bekannt geworden. Später ergab sich daraus die Zusammenarbeit beim „Literarischen Frühling“. Bei seinen Aufenthalten im Waldeck-Frankenberger Land zeigte Mario Adorf stets großes Interesse an den Sehenswürdigkeiten der Region. Er besuchte beispielsweise mit seinen Gastgebern unter anderem das Kloster Haina, die Synagoge Vöhl, das Thonet-Museum in Frankenberg, Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen und das Barockschloss in Bad Arolsen, wo er von der fürstlichen Familie zum Mittagessen eingeladen wurde. Unvergessen bleibt auch ein Bummel von Mario und Monique Adorf über den Landfrauenmarkt am Samstag in Frankenberg, wo die beiden mit großer Freundlichkeit empfangen wurden und an den Marktständen Marmelade und Käse erstanden. „Mario Adorf war keiner, der die sogenannte Provinz von oben herab betrachtete, sondern er war ja selber in einem kleinen Städtchen, Mayen in der Eifel, aufgewachsen“, erklärte Christiane Kohl. „Das hat er nie vergessen, und er hat auch gelegentlich davon erzählt.“ Niemals habe der bekannte Schauspieler im Umgang mit seinen zahlreichen Fans irgendeine Art von Star-Allüren an den Tag gelegt. Wenn er beim Festival Bücher signierte, dann seien die Schlangen immer sehr lang gewesen.


„Wir verdanken Mario Adorf als dem Schirmherrn des Literarischen Frühlings unendlich viel“, erklärte Christiane Kohl weiter. „Allein durch seine Anwesenheit und seine Mitwirkung in fast jedem Jahr hat er gleich von Anfang große Aufmerksamkeit auf unser Festival gelenkt. Er war auch ein kluger Ratgeber und ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. Im persönlichen Umgang haben wir ihn als einen äußerst angenehmen, großzügigen und herzensklugen Menschen erlebt. Er war das, was man früher einen feinen Kerl nannte. Er war ein großartiger Künstler und ein wunderbarer Mensch. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir ihn und seine Frau Monique kennen gelernt haben und dass er uns als Schirmherr so viele Jahre durch den Literarischen Frühling begleitet hat.“

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